Dienstag, 28. Februar 2012

Trackshittaz - Woki mit deim Popo


Der Eurovision Songcontest. Ein mediales Großereignis, das angeblich sowieso keiner ernst nimmt, das angeblich von vorne bis hinten gestellt ist und weil dieses Ereignis so bedeutungslos und nichtig ist, sitzt ganz Europa und mehr (laut Wikipedia wurde das Spektakel 2011 etwa in New York vom Goethe-Institut vorgeführt) gebannt vor den Bildschirmen. Da ich keinen Fernsehanschluss habe und auch auf Ö3 weitgehend verzichte, hab ich die österreichische Vorentscheidung völlig verpasst und wurde erst durch den großartigen Lyrik-Leser "Havas" auf die diesjährigen Gewinner aufmerksam. Ich werde sein Video ebenfalls einbinden, da er eine schöne Übersetzung ins "Hochdeutsche" (jene die mich kennen, wissen, dass ich kein Anhänger des Begriffs bin... Aber das ist eine andere Geschichte!) gemacht hat und ich mir so die mühsame Übersetzung sparen werde. Auch werde ich mich bemühen - wie immer - völlig neutral über dieses Lied zu schreiben und mir alle weiteren "Facepalms"  zu verkneifen.

Lyrics:



Wia san am Start,
Klunker vierazwanzg Karat,  
unser Bier hot ah-zwa Grad,  
Mundort yeah wia zwa san Stars,  
plündern Bars, wia san am Start,
und olle Leit schrein
heya heya hey,  
wia san Party Indiana,
trogn de Federn auf de Kepf,
und jetzt aussa mit de Depf,
jetzt kummt de Nudlsuppn Gang,
Fruttn yeey,  
Scho laung kan soichen Jubel Trubel gseng,
und sie taunzn und sie shaken,
an de Stoungen an de Deckn,  
bin verzaubert Fruttn schau wie sa sie rekeln
aha

Geht scho Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
yeah yeah 
so gfoit ma des,
Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!

Und i geh nei in Club,
de Ladies hom an Feinen Schmuck,
owa er is duat, duat,
wo man ned glei vamut,
i schau nur sie on
sie taunzt on da Stripstang
bin am Start
Oida zig Fraun
bei mir brennt nix aun.
Nudlsuppn Gang wos geht
und olle schrein, ho ho
Und de Weiba san am taunzn,
sie gengan nur low low
Sie wicklt mi uman Finger,
sie wü an winner winner
Und dann kanns springa springa,
Bootyshake, schlimma Finga.

Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh
Woki mit deim Popo,
yeah yeah 
so gfoit ma des,
Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!


Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh
Woki mit deim Popo,
yeah yeah 
so gfoit ma des,
Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!


Dei Popo hot Gefühle,
dei Popo is a Teil von dia,
sitz erm ned auf de Stühle,  
dei Popo hot a Meinung yeah,  
dei Popo wü Bewegung,
drum woki woki woki,  
dei Popo wü Begegnung,
geht scho gib erm wos a braucht,
Dei Popo wird ned müde,  
Dei Popo sogt wos aus von dia,
Kum shake erm er wüs wüd he,
so das des gaunze Haus vibriert,
dei Popo muas am Start sei,
drum woki woki woki,
dei Popo muas am start sei,
geht scho gib eam wos a braucht!


Geht scho
Woki mit deim Popo,  
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
Yeah Yeah
so gfoit ma des,
Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!


Geht scho
Woki mit deim Popo,  
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
Yeah Yeah
so gfoit ma des,
Geht scho
Woki mit deim Popo,
Woki mit deim uh uh  
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!

Rhetorik, Stilistik etc.

Besonders auffällig dürfte neben dem über weite Strecken relativ gut funktionierenden Paarreim (gelegentlich auch ein nicht weiter nennenswerter Kreuzreim: "Popo/uh/Popo/du") besonders der Dialekt sein, der wohl selbst unseren deutschen Nachbarn schon einen gordischen Knoten ins Sprachzentrum zaubern dürfte. Damit auch wirklich jeder bemerkt, dass das Lied in Mundart vorgetragen ist, weisen die Interpreten stolz selbst schon in der vierten Zeile der ersten Strophe darauf hin. "Mundoat yeah, wia zwa san Stars". Damit auch unsere nicht österreichisch-sprachigen Nachbarn in den Genuss dieser intellektuellen Granate kommen, hat dieser brilliante Mann (http://www.havas.at/)  das Lied im Rahmen seiner beliebten Lyriklesungen ins "Hochdeutsche" übertragen. Hier also Havas Lyriklesung "Woki mit deim Popo" in verständlichem Deutsch:




Neben der Benutzung des Dialekts und des Endreims finden sich in dem Lied jede Menge Anaphern, hauptsächlich im Refrain, Ausrufe wie "yay" oder "heya hey" lassen sich als Exclamatio bezeichnen, wobei ich sie zusätzlich auch noch zur Onomatopoesie zählen würde. Mit der Nudelsuppen-Gang findet sich eine Doppeldeutigkeit, denn die Nudel kann man auch als Penis interpretieren. "bootyshake", "Strip-Stoung", "shaken" sind Barbarismen. Man könnte das ganze auch Anglizismen nennen, aber es ist mir ein großes Anliegen einmal die Stilbildungsfigur "Barbarismus" in diesem Blog zu erwähnen, zumal mir das Wort passender zu diesem Lied erscheint.
Auffallend und meines Erachtens unnötig ist der unreine Reim in der zweiten Strophe "duat/vamut". Es ist mir absolut nicht verständlich, wieso hier nicht auf "vamuat" gereimt wurde. So bleibt ein hässlicher Stilbruch, dem man zwar Absicht hineininterpretieren könnte, unter den gegebenen Umständen (...ein Lied, dessen Titel die Aufforderung zum Po Wackeln ist) interpretiere ich es jedoch als schlampigen und unüberlegten Fehler.

Inhalt, Interpretation und Facepalm:
Das Lied handelt von zwei ganz besonders tollen Jungs, die durch Discotempel ziehen um in Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht zu kommen und dessen Gesäße zu glorifizieren. Alles in allem hoffe ich, dass dieses ganze Lied mit einer gehörigen Portion Selbstironie gewürzt ist und diese beiden Spassvögel sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Eine Frage, die sich an dieser Stelle allerdings nicht beantworten lässt.
Über Provokation in der Musik schrieb ich zum Beispiel schon bei meinem letzten Eintrag, jedoch bezog ich mich dabei auf die dunkle Musikszene. Dass es Provokation, besonders aber sexistische in der Mainstreammusik auch gibt, ist nichts Neues. Erinnert sich noch jemand an diese Peinlichkeit? Alex C feat Y Ass - Du hast den schönsten Arsch der Welt. Ich seh es an dieser Stelle nicht als meine Aufgabe mit Feminismus und Genderstudies anzurücken. Solange sich Frauen für solchen Unsinn freiwillig hergeben, seh ich diese Bereiche sowieso als Donna Quichotes Kampf gegen Windmühl_Innen.
Auch in der amerikansichen Popmusik finden sich reihenweise ähnliche Texte und im Hiphop sowieso.
Hier leisten die Trackshittaz also nichts Innovatives. Auch mit dem Mundart-Hiphop sind sie nicht die Ersten und meines Erachtens auch nicht besten Vertreter Österreichs.
Ich will an dieser Stelle dem Lied allerdings nicht seine Existenzberechtigung absprechen, zumal ich mir nicht sicher bin, ob meine Schwester nicht schulterzuckend "beim Fortgehn kann man gut dazu shaken" anmerken würde. Es mag also durchaus seinen Sinn haben und in bestimmten sozialen Schichten und unter gewissen Umständen (wie etwa bei übertriebenem Alkoholmissbrauch) seine Fans erreichen. Der Erfolg gibt den Trackshittaz Recht.
Jedoch habe ich ein gewaltiges Problem mit dem Lied. Nämlich das, dass es als Österreichs Vertreter zum Eurovision Songcontest geschickt wird. Egal wie unsinnig dieses Event sein kann, Österreich tritt mit einem Lied an, das zum Popowackeln auffordert! Das mag einen minimalen Skandalfaktor auf seiner Seite haben, der dadurch verloren geht, dass keiner den Text versteht. Bleiben zwei abgeschleckte Chavs, die für ganz Europa (und darüber hinaus) im Auftrag Österreichs zum Arsch Wackeln auffordern - jedenfalls für jene, die irgendwo die Übersetzung des Titels erhaschen.
Ist das die Message, die Österreich an die Welt zu schicken hat? 


Und ich mache hier den Trackshittaz absolut keine Vorwürfe. Der Vorwurf geht an die Institutionen des Österreichischen Rundfunks, die unter anderem einen Bildungsauftrag haben. Dieser wird mit Ö1 und ORF2 und 3 zu einem gewissen Grade sicherlich erfüllt, bloss erscheint es mir völlig irrsinnig zur selben Zeit jenen Bildungsauftrag auf den Plattformen, auf denen er am notwendigsten wäre – namentlich Ö3 und ORF1 – mit Füßen zu treten. Wenn das deutsche Privatfernsehen sein Karussel der Peinlichkeiten kreiselt, ist das traurig. Wenn das österreichische Staatsfernsehen auf dieses Karussel aufspringt, ist das absolut inakzeptabel. Ein Vorzeige-Rüpel wie Sido hat im Staatsfernsehen nichts zu suchen und in weiterer Folge auch die Trackshittaz nicht.  Das hat auch nichts mit Zensur zu tun, sondern mit Vorbildwirkung und gutem Geschmack. Und wer zieht hier wo die Grenzen? Liebe ORF-Leitung, wie wärs mit einer österreichischen Version von Jackass?

Und nochmal: Nichts gegen die Trackshittaz... die tun nur, was sie eben tun. Aber der ORF tut nicht, was er tun sollte: Nämlich aufpassen, was und wer im Programm landet. Deshalb widme ich die nachfolgende Facepalm-Reihe dem versäumten Bildungsauftrag des Österreichischen Rundfunks.
Danke!
Dem ORF-gewidmete abschließende Facepalm-Serie:











Freitag, 17. Februar 2012

Hanzel und Gretyl - Fukken uber death party

Es war einmal... heute: Die Märchenstunde!

Da ich derzeit an einer Proseminararbeit feile, in der es unter anderem um Klischees über die deutsche Sprache im fernen Ausland gehen soll, fiel mir wieder Hänsel und Gretel ein. Oder genauer gesagt: Hanzel und Gretyl. Ein Musikprojekt, das seit 1993 darauf erpicht ist, mir Stoff für meine Proseminararbeit zu liefern oder anders ausgedrückt, seit knapp 20 Jahren darauf aus ist, die deutsche Sprache zu biegen, zu brechen, zu martern, ja geradezu zu vergewaltigen.
In dieser Zeit hatten sie es zur Vorband von Marilyn Manson, Rammstein oder auch Slipknot geschafft, aber erst mit dem heutigen Tage schafften sie es, als erste amerikanische Band, in diesem Blog zu landen!



Lyrics:
F.U.K.K.E.N.
U.B.E.R.
F.U.K.K.E.N.
U.B.E.R.

  Let's get this Toten party started mach schneller!
Let's get this Toten party started mach schneller!
Let's get this Toten party started mach schneller!
Let's get this Toten party started mach schneller!

Bring in die Frau mit der Schnaps und Bier!
Bring in die Frau mit der Schnaps und Bier!
Bring in die Frau mit der Schnaps und Bier!
Bring in die Frau eins, zwei, drei, vier!

FUKKEN
UBER
DEATH
PARTY
FUKKEN
UBER
DEATH
HALT

Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel!
Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel!
Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel!
Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel!

FUKKEN
UBER
DEATH
PARTY
FUKKEN
UBER
DEATH
   
*stark verzerrte Sprachsamples, vermutlich aus Hitler-Reden*

FUKKEN
UBER
FUKKEN
UBER

FUKKEN
UBER
DEATH
PARTY
FUKKEN
UBER
DEATH

Rhetorik, Inhalt etc.
Die rhetorische Brillianz des Liedes hält sich dezent in Grenzen, es wiederholen sich immer die selben Elemente, wobei wir unter diesen spannenden Bedingungen immerhin auf drei verschiedene Strophen kommen, die aus vier Zeilen bestehen, die sich inhaltlich exakt wiederholen. Lediglich in der zweiten Strophe bricht die letzte Zeile ab um statt dessen von eins bis vier zu zählen...
Fukken. Obwohl das Wort gewisse ähnlich klingende Assoziationen im Deutschen hervorrufen mag, bin ich diesem Wort auf den Grund gegangen: Neben der einen oder anderen Information, die ich wirklich nicht bekommen wollte (Verweise auf 4chan, ich weiß ja, wieso ich diese Seite immer gemieden habe...) soll "fukken" Internetslang sein und es bedeutet:

 1. fukken
 Another word for the word "fucking". Used by deep-into-computer-ppl Not the i'm fucking someone word, but the i'm fucking good word. 
Why are you even asking this? Are you dense? I'm fukken batman!
"Fukken" ist also etwas positives. Das darauf folgende "uber" ist eines der ganz besonders klischeebelasteteten deutschen Worte, das seinen Ursprung irgendwo zwischen Nazi-Uber-Soldaten (bsp. aus diversen Videospielen) und der völlig falsch interpretierten Grundidee dahinter, Nietzsches "Über-Mensch" haben mag. Es scheint einen gewissen Grundschatz von deutschen Wörtern zu geben, die weltweit, aber besonders im englischen Raum mit der deutschen Sprache in Zusammenhang gebracht werden und die generell auch bei nicht vorhandenen Deutsch-Kenntnissen von Deutsch-Fans gerne irgendwo mitten in ihre englischen Kommentare gepostet werden. Nennen wir es einfach deutsche "Uber-Worte", denn "über" ist definitiv eines von ihnen. Dass die Ü-Striche und Umlaute generell schon mal weg fallen können, darf man einfach nicht so engstirnig sehen. "Über" ist in dieser Funktion meistens ebenfalls als ein Wort  zu verstehen, das etwas positiv steigert und eine Stufe höher setzt. Es eben "über" den Normalzustand setzt. Wenn man davon ausgeht, dass es sich um ein deutsches Lied handelt, wären natürlich alle englischen Worte Anglizismen, wie sinnvoll das im Falle dieses wahnwitzigen Hybrid-Textes aus Englisch und Deutsch wäre, ist fraglich. 
Wir haben also eine "fukken uber death party". "fukken" und "uber" sind also beides Worte, die etwas zum Positiven steigern, also ersetze ich sie auf paradigmatischer Ebene durch Worte mit ähnlicher Funktion um den Sinn ein bisschen klarer darzustellen: "super mega Todes Party" wäre etwa eine Möglichkeit. Man könnte "über" natürlich auch im Sinne von "über dem Tod" also "den Tod überwinden" verstehen, was meines Erachtens aber durch den üblichen Sprachgebrauch des Wortes "uber" auszuschließen ist. Dennoch die Mehrdeutigkeit besteht und beschert dem Lied damit eine Tiefe, die ich ihm weder zugetraut hätte, noch zugestehen will.
Auf zur ersten Strophe: "Lets get this Toten Party started - mach schneller". Fangen wir mit dieser Toten-Party schneller an. Da diese Band ziemlich eindeutig und provokativ NS-Stilistik einsetzt und generell gerne mit Nazi-Klischees spielt, kommen bei mir bei diesen Zeilen Bilder aus Konzentrationslagern hoch, was entweder auf morbide Züge meinerseits oder größte Geschmacklosigkeit seitens der Band hinweist. 
Strophe zwei bedient sich da schon freundlicheren Klischees über das deutsche Volk. Da kommt Oktoberfest-Stimmung auf: "Bring in die Frau mit der Schnaps und Bier!". So fröhlich wie auch in dieser Strophe "denglisch" gesprochen wird, ist es wohl den Aufwand nicht wert sich hier über den fehlenden Dativ beim Artikel des Schnapses zu ärgern, zumal ja gerade diese Schlampigkeiten die Reize des amerikanischen Klischee-Deutschs und somit auch dieses Liedes ausmachen.
Hier wird rhetorisch raffiniert die vierte Zeile verändert: das "mit der Schnaps und Bier" wird durch "eins, zwei, drei, vier" ersetzt, ein rhetorisch geschickter Kunstgriff, da sich "vier" nach wie vor auf das "Bier" der dritten Zeile reimt. Überdies fällt das Zählen bis Vier natürlich ebenfalls in die Kategorie "Uber-Deutsch". Das auf Deutsch Zählen ist selbst in deutschen Liedern eine höchst beliebte Disziplin, zeugt sie doch von überragenden arithmetischen Fähigkeiten, welche man zweifelsohne in der Musik demonstrieren sollte. Andere berühmte Beispiele für den kunstvollen Einsatz deutscher Zahlen sind beispielsweise: Oomph! - Augen Auf, Rammstein - Sonne, Terminal Choice - Keine Macht, Farin Urlaub Racing Team - zehn .
Aber in der dritten Strophe kommt alles noch besser: "Ich bin der Kraut mit der großen Schnitzel".
"Kraut" war eine stereotype Bezeichnung für Deutsche, meist deutsche Soldaten während des zweiten Weltkriegs. (Wikipedia: Kraut) "Mit" verlangt den Dativ, das sagt sogar der Duden, aber wieso sollte man den Dativ plötzlich verwenden, wenn man ihn doch schon in der zweiten Strophe so erfolgreich ignoriert hat? Das dativlose "Schnitzel" würde ich persönlich wieder als eines dieser klassischen "uber-deutschen" Worte bezeichnen. Schnitzel und Sauerkraut kennt man. Zusätzlich würde ich es in dieser Redewendung auch nicht falsch finden, wenn man Schnitzel als Metapher für das männliche Geschlechtsorgan interpretiert. Aber das kann natürlich auch völlig weit hergeholt sein.
Damit das Ganze dann noch deutscher wirkt, folgt noch dieses verzerrte und unverständliche Sprachsample, das vermutlich irgendeine Hitler-Rede sein dürfte, zumindest aber so klingt.
Auffallend in bestimmten Richtungen der dunklen Musik ist der Zwang zu provozieren. Viele Bands erreichen dieses Ziel durch übertriebenen Uniform-Fetischismus und das gewagte Spiel mit Symbolik aus dem Nationalsozialismus. Viele dieser Bands haben jedoch keinerlei rechtsradikale Absichten, distanzieren sich davon oder bezeichnen sich als unpolitisch. Wenige sind tatsächlich rechtsradikal, diese stehen meist auch dazu. Gemeinsam haben jedoch alle, dass über ihre mögliche politische Ausrichtung debattiert wird. So natürlich auch bei Hanzel und Gretyl, was bei einem solchen Albumcover auch nicht weiter verwunderlich sein dürfte...


Von der Farbwahl über die Totenköpfe zu den Blitzen, hier wird mit Symbolik gespielt, die sich im deutschsprachigen Raum in die Nähe der Verfassungsgrenze begibt. Auf den ersten Blick mag Hanzel und Gretyl vielleicht wie eine rechtsradikale Band wirken, jedoch wurde auf den völlig unsinnigen Text bereits eingegangen. Es bleibt zu dieser unleidigen Frage zu sagen: Hanzel und Gretyl ist von vorne bis hinten nicht ernst zu nehmen. Das ergibt eine Betrachtung aller ihrer Texte, die zwar gehäuft mit Worten und Floskeln aus dem Nationalsozialismus sein mögen, diesen aber durch ihre völlig willkürliche Verwendung und Konstruktion jegliche Ernsthaftigkeit entziehen. Kein Mensch, der diese Texte tatsächlich versteht, weil er sowohl der deutschen als auch der englischen Sprache mächtig ist, kann dieser Band ernsthaft rechtsradikales Gedankengut unterstellen.
Des Weiteren, würde diese Band ansatzweise rechtsradikal sein, würde sie definitiv nicht hier in dem Blog landen. Es handelt sich um Satire und Nonsens mit nicht allzuviel gutem Geschmack. Ob ein solches Projekt notwendig ist?
Definitiv, denn Pionieren wie Hanzel und Gretyl oder auch Rammstein habe ich es zu verdanken, dass in der internationalen Bevölkerung das von mir hier geprägte "Uber-Deutsch" existiert, das die Grundlage für meine Proseminararbeit bildet. Wer weiß was ich mir sonst für ein Thema suchen hätte müssen? In diesem Sinne... danke rothaarige Gretel und Stahlhelm Hänsel.











Dienstag, 14. Februar 2012

Deichkind - Illegale Fans


Schönen Tag, Blog! Long Time no see!
Heute möchte ich mit einer kleinen Runde Was ist Was beginnen. Denn wisst ihr, was Millenials sind?

Als Millenials bezeichnen Soziologen quasi die erste Generation, die mit Handy und Internet in ihrem natürlichen Lebensraum aufwächst. Vietnamkrieg, Kalter Krieg und Tagespolitik interessieren den Millenial wenig, sein Leben ist ruhig und geregelt, kein Grund sich also aufzuregen, die Politik regelt doch alles ganz vernünftig, der Computer läuft, das Auto ist vollgetankt, alles in allem ist alles gut. Millenials sind unkompliziert, sie regen sich nicht auf, solange sie ihr gesichertes Leben schön weiter leben können. 
Weiterführende Literatur: Wikipedia
Eine entscheidende Wende im Leben der gutmütigen und vielleicht auch etwas naiven Millenials begann im Jahr 2004, wenn sie auch Europa und den deutschsprachigen Raum erst nach und nach erreichen sollte. Bis dahin wusste jedes Kind, dass das Internet eine gefährliche Spielwiese ist und man mit persönlichen Daten aufpassen muss. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, sich irgendwo mit richtigem Namen anzumelden. Mit der Erfindung von Facebook im Jahr 2004 sind aber selbst diese Bedenken längst vergessene Mythen aus alten Tagen und von der richtigen Emailadresse, über das Geburtsdatum und die politische Einstellung, bis zu Name und Verwandtschaft wird alles bereitwillig und freiwillig zur Verfügung gestellt. Warum auch nicht, schließlich ist man ja kein Verbrecher und hat auch nichts zu verbergen.
Oder vielleicht doch? Wie ist es sonst zu erklären, dass der gemeine Millenial, dem die Politik meistens weitgehend egal ist, solange sie sich nur von selbst regelt, plötzlich wutentbrannt aufspringt um den Kampf gegen den natürlichen Feind ACTA aufzunehmen? 


Was wird mit diesem Blog geschehen? Ich weiß es nicht. Aber vermutlich verstoße ich laut ACTA gegen jede Menge Copyrights, auch wenn ich damit niemandem schade und nur anaylsiere und dokumentiere. Ich nutze also die verbleibende Zeit und schreibe noch einen Blog-Eintrag, bevor die Blendgranaten der ACTA-Special Forces durch die Scheiben fliegen und mich diese bestens ausgerüsteten Spezialkommandos in irgendein dunkles Hochsicherheitsgefängnis schleifen, wo ich dann für meine Copyrightverstöße zwischen anderen Schwerverbrechern, die heimlich MP3s, Filme und Serien heruntergeladen haben, für meine Kapitalverbrechen büßen werde.
Viel zu langer Einleitung kurzer Sinn: Deichkind haben sich ganz aktuell diese Thematik ebenfalls ins Bewusstsein gerufen und selbige mit dem Titel "Illegale Fans" vertont und auch gleich einen Videoclip dazu abgeliefert:



Lyrics:

»Acht Millionen, schieß doch, Bulle, schieß doch! Schieß!«

Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs
die Netzwerke sind scharfgestellt in unseren WGs
Dort fahr'n wir die Systeme hoch und wippen uns in Rage
99 Cent fürn Track verpuffen in der Blase
Die Dixie-Klos vom Hurricane schenken wir Lars Ulrich
dort kann er gerne kacken gehen, Hacker sind geduldig
keine Macht für Niemand, wir werden uns nicht stellen  
ihr seid das Imperium und wir sind die Rebellen

Wir sind illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, radikale, digitale Fans  

Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in Ihrem Land  
Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand
Sechs Milliarden Terrabyte die Leitung brennt wie nie  
Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie
Fuck Saturn und MediaMarkt, euer Kaufhaus müffelt  
Wir schließen eure Tore zu und schlucken dann den Schlüssel.  
Ihr wollt Krieg den könnt ihr haben, wir laden die Waffen
Wir sind keine Einzeltäter, man, wir sind die Massen  

Wir sind illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

Wir sind... illegale Fans.
Wir sind... illegale Fans.
illeg... illeg... illegale Fans
digi... digi... digitale Fans
Illegale Fans.
Illegale Fans.

Wir sind neu und haben Verstand, ihr könnt uns überhaupt nichts
Wir zerbröseln eure Strategien mit jedem Mausklick  
Ihr sagt wir sind verboten, weil wir zocken, stehlen, greifen  
IP-Adressen sind gefälscht, wir gehen über Leichen
Ihr sagt wir sind kriminell, doch wir sind nur die User
Im Knast saugen wir weiter, Copyrights sind was für Loser
Tupac, Kurt und Marley, der Shit ist für uns alle da
Wir sind zu viel, wir sind zu nah, wir sind zu schnell: ihr könnt uns mal

illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans


Aufbau, Rhetorik, Metaphern...
Das Lied hat drei Strophen zu acht Zeilen, die jeweils in vier Paarreimen gereimt sind. Nach der ersten, zweiten und dritten Strophe folgt jeweils der Refrain. Die aller erste Zeile ist eine Art Auftakt, die nicht zur restlichen Strophenstruktur passt. Auffallend ist auch, dass der Refrain bei der zweiten Wiederholung erweitert ist und seine Elemente dekonstruiert werden. 
Die Zeilenenden der Strophen sind mehr oder weniger gut gereimt, auffallend, wenn auch vielleicht nicht beabsichtigt ist, dass in den ersten beiden Strophen sich die ersten beiden Zeilenpaare jeweils gut reimen, während das dritte Zeilenpaar plötzlich in einem unreinen Reim endet: "Ulrich/geduldig" oder in der zweiten Strophe: "müffelt/Schlüssel". Das vierte Zeilenpaar reimt sich dann wieder wunderschön. 
Auch wenn es keine eindeutige Alliteration sein mag, so fällt auf, dass im ganzen Text sehr häufig "wir" wiederholt wird, oftmals auch am Zeilenanfang und selbst im Refrain, womit auf semantischer Ebene sicherlich der vermittelte Standpunkt der Band unterstützt wird und ganz klar gezeigt wird, auf welcher Seite sich Deichkind sieht.
Einen kleinen Vulgarismus bietet die erste Strophe: "Lars Ulrich kann kacken gehen". An dieser Stelle sei gesagt, wo sie recht haben, haben sie recht.
Auch auffällig sind die ganzen Allusionen, also Anspielungen beziehungweise in diesem Fall oftmals Referenzen an die Popkultur: "Ihr seit das Imperium und wir sind die Rebellen" verweist etwa relativ eindeutig auf Star Wars, was durchaus Sinn macht, denn auch der Starwars Schöpfer "George Lucas", genau wie der schon genannte "Lars Ulrich"- Drummer der Band Metallica - machte sich in der Vergangenheit einen schlechten Ruf bei Fans indem er selbige wegen nichtigen Copyright-Verletzungen verklagte. Weitere Popkultur Referenzen sind natürlich die Kultmusiker: Tupac, Bob Marley und Kurt Cobain. Sie alle haben gemein, dass sie sich um Copyrights keine Gedanken machen, denn sie sind tot.
Auch nennen möchte ich das "Hurricane" von dem in der ersten Strophe die Rede ist, da es vielleicht nicht jedem bekannt ist: Es handelt sich dabei um ein Musikfestival in Deutschland.
"Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land" - Eine Textzeile, die besonders Youtube-Nutzern aus Deutschland öfter begegnen dürfte und nur ein erster drohender Schatten des Copyright-Massakers ist, welches ACTA möglicherweise mit sich bringt.
soso, es tut ihnen Leid?

In der dritten Strophe die Verben "Zocken, stehlen, greifen" würde ich als Enumeration, also als Aufzählung betrachten. Gleich in der nächsten Zeile finden wir eine Hyperbel: "IP Adressen sind gefälscht, wir gehen über Leichen". Eine gefälschte IP Adresse ist sicherlich nicht mit Mord oder Totschlag gleichzusetzen, auch wenn die Industrie die Gesetzlage mit ACTA offenbar dahingehend allzu gern ändern möchte. "Über Leichen gehen" würde ich im übrigen generell als tote Metapher betrachten. Diese Redewendung ist im alltäglichen Sprachgebrauch mittlerweile fest verankert, den meisten Menschen wird dabei jedoch nicht bewusst sein, dass sie die toten Menschen metaphorisch gebrauchen und die meisten Menschen werden hoffentlich auch nur in den seltensten Fällen tatsächlich über Leichen gehen. "wir laden die Waffen" ist wohl auch eher im Sinne des down- bzw. uploadens gemeint und nicht das tatsächliche Nachladen von Waffen. 
Das mehrmalige Wiederholen im Refrain betrachte ich als Hervorhebung oder Betonung und somit als Emphase: "illegale, illegale, illegale Fans". Unter Umständen könnte man das wohl auch als Geminatio betrachten.


Inhalt:
Viel zum Inhalt möchte ich nicht mehr sagen, da ich doch im vorigen Teil schon auf einige Aspekte eingegangen bin. Das "wir" in diesem Lied ist sehr stark, es erinnert an die Flyer, die von Anonymous immer wieder verteilt werden. Auch sie greifen ganz stark den "wir sind die Masse/Legion" Gedanken auf. Hierbei sei extra hervorgehoben, dass es sich um meine persönliche Assoziation handelt, ob diese deckungsgleich mit den Ideen von Deichkind ist, weiß ich nicht. Die erste Zeile des Liedes »Acht Millionen, schieß doch, Bulle, schieß!« kann ich nicht zuordnen. Vielleicht handelt es sich dabei um irgendein bekanntes Sprachsample oder Zitat, mir persönlich sagt diese Zeile nichts. Auch nicht wieso gerade von Acht Millionen die Rede ist. Bezogen auf die Einwohner Österreichs etwa, würde das Sinn ergeben, da Deichkind aber eine deutsche Band ist, ist mir nicht klar, was genau die acht Millionen andeuten sollen. Sonst bleibt nicht mehr viel zu sagen:
JEDE und JEDER von uns hat eine illegale MP3, einen Film, eine Serie oder schonmal ein Foto per Email verschickt, das sie oder er irgendwo im Internetz gefunden hat, lustig fand und weiter verschickt hat ohne dafür die Copyrights zu besitzen. JEDE und JEDER hat schonmal auf Youtube ein Musikvideo angesehen ohne zu wissen, ob der Uploader dafür die Copyrights besaß. JEDE und JEDER ist ein illegaler Fan. Und das sagen uns Deichkind schon im Titel ihres Liedes.

Ich wünsche euch allen noch ein schönes Leben, man sieht sich dann im Gefängnis...



Dieses Bild fand ich auf 9gag, jedoch ist davon auszugehen, dass der dortige Nutzer
es von irgendeiner anderen Meme-Seite gestohlen hat. Thats how the internet works.








Samstag, 15. Oktober 2011

[Off Topic] Hollywood - moderne Metamorphosen

Einen schönen guten Tag!
Seit kurzem sind meine Zeit (hallo, neues Semester!) und mein Internet (good bye, alter Vertrag!) knapp, deshalb ist es hier etwas ruhiger. Nun möchte ich dieses Wochenende nutzen um ein, zwei neue Einträge zu schaffen. Ich habe überlegt, welches Lied ich mir diesmal vornehme und kam zum Entschluss  stattdessen auf ein kurioses Phänomen einzugehen. Moderne Metamorphosen aus der Traumfabrik.

Die erste Metamorphose:
Den Anfang macht "Born Villain", die neueste Single von Marilyn Manson. Das Lied selbst wäre durchaus auch spannend zu interpretieren, meine ersten Gedanken zum Inhalt gehen in die Richtung "Medienkritik, Hollywood/Star-Rummel" etc. 
Obwohl das Thema nicht zum ersten Mal behandelt wird (als anderes Beispiel fällt mir spontan "Lost in Hollywood" von System of a Down ein) so finde ich Mansons Zugang doch ganz amüsant. Man nehme beispielsweise folgende Textzeilen:


The rape of Persephone was choreographed by all the wrong Greeks
The rape of Persephone was a marketing scheme


Der Grund, warum ich mir das Lied nicht - wie bisher - normal vornehme, ist folgender: Das wirklich Interessante ist das Musikvideo dazu! 
Shia LaBeouf
Man nehme einen Hollywood-Schönling in der erfolgreichen Deluxe-Ausführung... zum Beispiel den hier! (Siehe Bild rechts...)
Shia LaBeouf heißt der Gute, er hat von "Dumm und Dümmer" über "Charlies Angels" bis "Indiana Jones 4" und den viel zu erfolgreichen "Transformers"-Filmen bei wirklich namenhaften Blockbustern mitgewirkt. Offenbar besagt in der Traumfabrik ein ungeschriebenes Gesetz, dass man den treudoofen Teenager mit Shia LaBeouf besetzen muss.
Und offenbar hat Shia keinen Bock mehr darauf, denn mit "Born Villain" schickt er uns ganz klar eine Botschaft, die etwa in die Richtung "Ja, ich war der dumme Junge in Transformers, aber ich kann auch anders" lautet.
Beim Videoclip zu "Born Villain" hat Shia LaBeouf laut Imdb nicht nur Regie geführt, er hat das Ganze auch produziert. Jetzt wäre diese Begebenheit schon allein deshalb kurios, weil Marilyn Manson und Shia LaBeouf in etwa wie Ying und Yang zueinander stehen. Manson scheint alles zu repräsentieren, was LaBeouf nicht zu sein scheint. Damit jedoch noch nicht genug, Shia LaBeouf hat ganze Arbeit geleistet und ein Video gebastelt, das eines "Schockrockers" wirklich würdig ist. Voller  okkulter Symbolik - mich persönlich erinnert das Video an den Kurzfilm "Lucifer Rising" von Kenneth Anger, teils aber auch an die bizarren Traumwelten eines Tarsem Singh (u.a. "The Cell") ...dazu ist das Video teilweise wirklich "unschön".

Anbei gleich das Video, doch vor dem Genuss möge man sich nocheinmal auf der Zunge zergehen lassen, dass hier der unschuldige Hollywood-Bengel Shia LaBeouf hinter der Kamera steht!






Little J (Taylor Momsen)
Die zweite Metamorphose:
Es war einmal ein kleines hübsches Mädchen. Die spielte auch in einigen Filmen mit, aber der Prinzessinentraum eines jeden Mädchens ging wohl in der Serie "Gossip Girl" auf, wo sie eine furchtbar nervende und anstrengende pubertierende Jenny Humphrey verkörpert hat. Wieso ich das weiß? Weil ich ohne mich zu schämen drei Staffeln Gossip Girl geschaut hab. Danach wurde es mir zu brutal und meine Nerven haben all das Gezicke und Hintergehen mit Intrigen und Verrat, Lug und Betrug einfach nicht mehr verkraftet. 
Die Charaktere dieser Serie sind alle von Grund auf böse und ihr einziges Lebensziel scheint darin zu bestehen anderen das Leben schwer zu machen. Soviel zum Inhalt. Ich hab jedenfalls nach drei Staffeln meinen Glauben an das Gute in der Menschheit vollends verloren. Die Serie hat übrigens immer wieder tolle Lieder am Soundtrack... aber ich schweife ab.
Das Bild rechts zeigt also unsere liebreizende Zicke, die übrigens von einer gewissen Taylor Momsen verkörpert wird.

Nun zur eigentlichen Verwandlung.
Ein Sprichwort sagt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Ich sag: ich kann ihre Verwandlung nur gut heißen.
Ihr T-Shirt sagt: I fuck for Satan...



Ein anderes Sprichwort sagt: "Bellende Hunde beißen nicht." Und Taylor Momsen, obwohl ich ihre Musik ganz gern hab, isst nicht so heiß, wie sie kocht. Das heißt, sie ist sogar ziemlich heiß, aber ihre Musik ist weniger wild als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Ein Beispiel: The Pretty Reckless - make me wanna die
Es bleibt die große Frage: Handelt es sich um eine wahre Metamorphose, oder doch nur um eine kurze Halloween Phase? Obwohl ihre Musik doch deutlich rocklastiger ist, in der Pop-Welt haben schon viele den "böses Mädchen"-Look probiert und wieder fallen gelassen. Oft steckt eben doch nur das Marketing dahinter. Ich weiß es nicht und ehrlicherweise interessiert es mich auch nicht.
Von der Gossip Girl-Zicke zum (optischen) Black Metal Bunny.
Dem kann ich nur noch hinzufügen: Mädls, nehmt euch ein Beispiel an Taylor Momsen, denn Schwarz ist das neue Schwarz!




Donnerstag, 25. August 2011

Die Funkhausgruppe - Die Physiker

Es ist 17:30 Uhr, die Nachrichten:
Welle:Erdball, die sich ihrer Myspace-Page zufolge dem "Electro / Gothic / New Wave" zuordnen, haben sich im Jahr 2007 mit ein paar Freunden (namentlich: die Perlen, Hertzinfarkt und Sonnenbrandt) zusammen gesetzt und dabei die höchst erquickende Koproduktion "Funkhausgruppe" gegründet. Am  24. Juni 2011, nur vier Jahre später, erscheint auch schon das erste Album: Mono-Poly. Aber gut Ding braucht Weile und es handelt sich ja auch nur um ein Sideproject. Dabei handelt es sich auch nicht um das einzige Nebenprojekt dieser überaus produktiven Possen und so freu ich mich, dass ich dieses interessante Projekt kennen lernen durfte. Zuvor wurde bereits "Die Physiker" inklusive Musikvideo veröffentlicht und hiermit will ich mich nun befassen:


Lyrics:
Mikroelektronik, Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Atomkraft, ähm Quantenphysik

Wir sind integer, wir wissen mehr
gemein gefährlich, wir sind die Physiker
Unsere Gehirne sind riesengroß
Doch lasst uns niemals auf die Menschheit los
Wir sind die Physiker, wir wissen immer mehr

Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Atomkraft, Mathematik

Wir sind exzentrisch und elitär
auf Gold gebürstet, wir sind die Physiker
Und die Synapsen sind eingestellt
Nur auf die Zukunft, auf das Schicksal dieser Welt
Wir sind die Physiker, wir wissen immer mehr

Tötet die Visionen, sie sind explosiv
wie all unsere Gedanken radioaktiv
Doch wenn sie sich entfalten, dreht sich die Welt verkehrt
Hinter Schloss und Riegel gehören wir gesperrt

Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Chemie, Atomkraft, Mathematik

Wir sind die Zukunft, wir wollen mehr
sind das Gedankengift, wir sind die Physiker
Wir sind Verbrecher, total verrückt
nur für den Fortschritt und jetzt gibt es kein Zurück
Wir sind die Physiker, wir wissen immer mehr

Tötet die Visionen, denn sie sind explosiv
wie all unsere Gedanken radioaktiv
Doch wenn sie sich entfalten, dreht sich die Welt verkehrt
Hinter Schloss und Riegel gehören wir gesperrt

Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Chemie, Atomkraft, Mikroelektronik

Wir sind die Mörder, die Welt wird leer
macht euch bereit, wir sind die Physiker
Atomraketen und Torpedos
so lasst uns endlich auf die Menschheit los

Tötet die Visionen, denn sie sind explosiv
Wie all unsere Gedanken radioaktiv
Wenn sie sich entfalten, dreht sich die Welt verkehrt
Denn hinter Schloss und Riegel gehören wir gesperrt

Tötet die Visionen, denn sie sind explosiv
Wie all unsere Gedanken hoch radioaktiv
Doch wenn sie sich entfalten, dreht sich die Welt verkehrt
denn hinter Schloss und Riegel gehören wir gesperrt

Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Chemie, Atomkraft, Physik
Technik, Chemie, Atomkraft, Mikroelektronik


Stilfiguren, Rhetorik und Allerlei...
Gleich die erste Aufzählung ist meines Erachtens eine Enumeratio, eine Aufzählung ohne Nennung des Oberbegriffs "Wissenschaft" bzw. "Naturwissenschaft". Es folgen Alliterationen à la "Wir sind integer, wir wissen mehr", "gemein gefährlich".  Ziemlich clever ist auch die doppeldeutige Verwendung der Adjektive im Lied: so bedeutet "integer" zum einen "unbestechlich, redlich, ohne Makel", zum anderen ist es aber auch ein Begriff aus der Naturwissenschaft und Technik:
  Das Substantiv Integer (engl. integer, „Ganzzahl“) bezeichnet:
   -einen Datentyp in der Informatik, siehe Integer (Datentyp)
   -eine Ganze Zahl in der Mathematik
Wikipedia: Integer

Für das wohlige Hörempfinden sind die Strophen auch gereimt. Es gibt quasi drei verschieden aufgebaute "Strophen": Zum ersten die Aufzählung der naturwissenschaftlichen Disziplinen, die neben der Enumeratio meines Erachtens (Postitionsfiguren betreffend) auch noch eine Geminatio, "Eine Verdopplung bzw. Wiederholung eines Wortes oder Wortgruppe innerhalb einer Periode", ist! Schließlich werden zumindest die Worte "Technik, Chemie, Atomkraft" regelmäßig wiederholt. 
Der zweite "Strophentyp" besteht aus fünf Zeilen, bestehend aus zwei Paarreimen, während die fünfte und letzte Zeile sich umschließend wieder mit der ersten Zeile reimt.
Zu guter Letzt gibt es noch die vierzeilige Strophe, die aus zwei Paarreimen besteht. Interessant ist auch, die Vermischung der Fünfzeiler, die im Anfang des Liedes auftreten, mit den Vierzeilern, die den Schluss bestimmen. In der Mitte überschneiden sich die Vierzeiler und Fünfzeiler.
Ähnlich wie "integer" ist auch "exzentrisch" wieder doppelt belegt: mit den Bedeutungen "überspannt, nicht dem üblichen (Verhalten) entpsrechend, außerhalb des Mittelpunkts liegend" sowie weiteren Bedeutungen in den Naturwissenschaften: So gibt es laut Wikipedia die Exzentrizität in der Mathematik, der Technik und der Astronomie. Diese doppelte Belegung der Adjektive finde ich ein wirklich gelungenes Stilmittel, da sie zum einen natürlich das menschliche Verhalten der Physiker beschreiben, aber zum anderen auch konnotativ auf die Naturwissenschaft verweist.
Abschließend möchte ich noch auf diese Metaphern hinweisen: "explosive Visionen" und "radioaktive Gedanken".
Inhalt:
Das Lied handelt von Physikern, die sich selbst als Gefahr, jedoch auch als Zukunft betrachten. Es gibt hier nicht allzuviel zu interpretieren, da wir klare Angaben der Band haben: Es basiert auf dem gleichnamigen und höchst erfolgreichen Theaterstück des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt. Somit geht es also um ethische Fragen in der Wissenschaft. Zu welchem Preis darf was erforscht werden? Welche Grenzen dürfen nicht überschritten werden? Wie auch im zugehörigen Videoclip an die Tafel geschrieben wird: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurück genommen werden".
Mein erster Gedanke war, dass das Lied auch eine Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse um das Atomkraftwerk "Fukushima" darstellt, denn spätestens nach dieser Katastrophe sollte die Thematik der Physiker nicht nur für Japan, sondern für die ganze Welt wieder höchst aktuell sein, jedoch erschien die Single samt Video zu "die Physiker" (laut Wikipedia) bereits im Februar, die Katastrophe in Japan war jedoch erst im März.
Dennoch, die Funkhausgruppe hat hier nicht nur ein erstaunlich intelligent inszeniertes Lied abgeliefert, sondern auch mit der Thematik leider völlig den Zahn der Zeit erwischt!

Montag, 15. August 2011

Markus Becker - Das rote Pferd

der unbekannte Hutmann
Am Freitagabend fuhr ich zwecks einer Geburtstagsfeier in die Fremde, wo wir in einen "Stadl" gegangen sind. Das ist im Prinzip eine Skihütte mitten in der Stadt. Après Ski ohne Ski und im Sommer. Eigentlich ganz sinnvoll, da man sich so die teuren Ski-Karten und Ausrüstung spart, vorausgesetzt natürlich, man steht auf diese Art Abendprogramm.
Ich persönlich steh da nicht so drauf und bevorzuge mehr die "böseren" Locations, aber ich dachte mir "sei ka fade Nocken" - und die Party geht ab. In diesem Stadl war so ein komischer Mann mit rotem Hut, den alle furchtbar angehimmelt haben und der sich mit vielen roten Hüten bei der tobenden Menge revanchiert hat. 
Außerdem hat er jede Menge Lieder live zum besten gegeben, so auch "das rote Pferd". Heute sollte ich nach kurzer Google-Recherche herausfinden, dass es sich dabei um den "Künstler" höchst persönlich handelte, den wir da glücklicherweise live erleben durften.
Das ist wirklich nicht mein Lied, aber ich bin ja ein Profi, also geh ich da mal völlig unvoreingenommen heran. Der Mann hat mit dem Lied problemlos die wilde Meute dirigiert, irgendeinen Reiz muss es also haben...?



Lyrics:
(Ich lasse alle Zwischencomments des Interpreten aus, der die Zuhörer immer wieder direkt anspricht und zum Mitsingen animiert, was (im Stadl) auch bestens funktioniert hat und natürlich wichtig für die Stimmung ist.)

Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt 
und hat mit seinem Schwanz die Fliege abgewehrt
Die Fliege war nicht dumm, 
sie machte sumsumsum 
und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum. 
lalalalalalalalalalalaa...

Wenn ich mich nicht verzählt habe, wird dies 5x wiederholt, dazwischen immer direkte Aufrufe ins Publikum, die Hände zu heben, mitzusingen etc. 

Rhetorik&Aufbau etc. 
Rhetorische Figuren etc. sind ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, einen Text eingängig und interessant zu gestalten. Zu lang ist es ja nicht, also muss die ganze Magie des Liedes in diesen paar Zeilen liegen. Das Lied reimt sich immer schön aufs Ende der Zeile, das Ende der Strophe wird durch ein aussagekräftiges "lalalala..." angezeigt, nach kurzen Einwürfen des Interpreten gehts dann auch gleich weiter. Prinzipiell könnte man das Lied ewig weiter singen. Der Text ändert sich nicht und deutet auch eine "Endlosschleife" an. "Rotes Pferd" ist auch gleich eine richtige Lyrik-Atombombe, die zu denken gibt. Gibt es rote Pferde? Meines Erachtens gibts maximal rotbraune Pferde, demnach ist "rotes Pferd" ein Paradoxon. (Paradoxon per Lehrbuch Definition: Unerwartete (scheinbar) widersprüchliche Aussage.) Natürlich könnte es sich auch um eine Metapher handeln? Nur wofür?
Ich persönlich habe keine vernünftige Idee, wofür "rotes Pferd" stehen könnte. 
"Und" würde ich als Alliteration sehen, sowohl die 2. und 5. Zeile fangen mit "und" an.  Selbiges gilt für "seinem Schwanz"! So stark wie beide Wörter betont werden, kann auf jeden Fall von einer Alliteration gesprochen werden. Die letzten Zeilen überraschen mit einer Anhäufung von Onomatopoesie: "sumsumsum", "Gebrumm", "lalalala"; Lautmalerei vom Feinsten. Wobei "lalala" inhaltlich nicht mehr dem restlichen Text zugeordnet werden kann und wohl eher den Gemütszustand des Publikums spiegelt und so den Menschen auf der Tanzfläche das "Mitsingen" erleichtert, was rückwirkend wieder ein wichtiger Faktor für die gute Stimmung ist. 

Inhalt:
Das Lied handelt von einem roten Pferd, welches mit seinem Schwanz versucht eine Fliege loszuwerden, jedoch schwirrt diese um das Pferd und der aussichtslose Kampf beginnt von vorne. Das Pferd muss sich erneut umdrehen, um die Fliege zu erwischen...
Aber kann es tatsächlich sein, dass schlichter Nonsens über ein paradoxes rotes Pferd die Menge so begeistert? Oder steckt womöglich mehr dahinter?
Viele dieser Partykracher zeichnen sich dadurch aus, dass sie unsere niederen Gelüste ansprechen, die bei erhöhtem Alkoholkonsum natürlich auch geweckt werden. Kann es sein, dass sich womöglich perverser Schweinskram hinter dem Lied verbirgt? Ich denke nicht, diese Partylieder zeichnen sich auch alle dadurch aus, diese Themen direkt anzusprechen und nichts in schöne Metaphern zu packen. Klartext sozusagen. Die Meute darf ja auch nach einem gewissen Promille-Satz nicht vom Text verwirrt werden.
Aber ich wär nicht ich, wenn ich nicht selbst für dieses Lied eine gelungene tiefgehende Interpretation, die die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttert, finden würde. Ich blicke hinter die Zeilen. War die Mondlandung nur ein Fake? Und ist es möglich, dass womöglich die Illuminaten hinter diesem Lied stecken? Den Fragen, die sonst nur Galileo Mystery klärt (an dieser Stelle sei erwähnt, diese Sendung ist noch um ein vieles unsinniger als das "Rote Pferd") werde ich nun auf den Grund gehen:
"Rotes Pferd" ist - wie schon erwähnt - ein Paradoxon. Doch wie kommt es zu genau dieser Zusammensetzung? "Blaues Pferd" wäre doch in Anbetracht der Zielgruppe sehr viel sinnvoller, zudem eine etwas entfernte Anspielung an die Künstlergruppe Blauer Reiter, was das ganze Lied doch gleich um ein Vielfaches intelligenter machen würde?
Wofür steht die Farbe Rot? Unter anderem steht Rot für die Liebe oder im Gegenteil natürlich auch für Blut. Rot ist zusammen mit Grün aber auch die wichtigste Farbe im Dadaismus, einer Kunstform, welche sich durch Ablehnung von Konventionen auszeichnet, was auch oft im Nonsens enden kann. Wie es zum "Roten Pferd" kommt, sei also an dieser Stelle noch ein Rätsel.
Wieso ist der Antagonist eine Fliege? Wofür steht die Fliege? In der Literatur ist die Fliege unter anderem nichts geringeres als ein Hinweis darauf, dass der Teufel involviert ist! Unter anderem hat sich William Golding im Jahre 1954 in einem Roman mit der Fliege auseinander gesetzt. Ich zitiere kurz aus  

Als Herr der Fliegen wird auch der Beelzebub, der Teufel, bezeichnet. Der alttestamentliche Herr der Fliegen, der Ba'al Zevuv (בעל זבוב), bezeichnet dabei eine der Ba'al-Varianten, wie sie von den Phöniziern der Stadt Sidon oder laut 2. Könige 1,2 auch von den Philistern als Wetter- und Fruchtbarkeitsgott verehrt wurden. Er steht in der alttestamentlichen, um den Glauben Mose zentrierten Deutung, wie alle Ba'ale und Astarten, in höchst negativer Konnotation für die »falsche Gottheit« und die Verführbarkeit des Menschen.  

"Fruchtbarkeitsgott, falsche Gottheit, Verführbarkeit des Menschen". Also steckt zwischen den Zeilen doch schändlicher Schweinskram, der unterschwellig die Menschen auf der Tanzfläche erreicht. Wenn der Herr der Fliegen also der Teufel ist, dann sind die Fliegen seine Anhänger. Die Fliege tut also des Teufels Werk, indem sie das rote Pferd ärgert. Ein inhaltlicher Zufall möchte man meinen, würde dieses vermeintlich harmlose Partylied, einst übrigens Kinderlied, in diesen wenigen kurzen Zeilen nicht noch mehr okkulte Themen und Symbolik beinhalten. Ich zitiere hierzu eine Passage aus einem weiteren ziemlich bekannten Buch, das in den letzten Jahrtausenden viel Unheil und viel Segen über die Menschheit gebracht hat:

Da erschien ein anderes Pferd; das war feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben. -Offenbarung; 6,4

Plötzlich, im Finale der Bibel, als die Menschheit für ihre Sünden untergeht, als das Tier mit dem unheilvollen, wenig poetischen und in der Musikwelt oft missbrauchten Namen 666 erscheint, als alle sterben, morden und es wirklich nicht gemütlich zu geht, erscheint ein rotes Pferd.
Kommen wir zur endgültigen Interpretation dieses "Liedes": Wir haben das rote Pferd, das kommt, um den Menschen den Frieden zu rauben; wir haben die Fliegen, Anhänger Satans, die das Pferd nerven, foppen, agressiv machen, anstacheln. Es gerade dazu antreiben, sein Unheil über die Welt zu bringen. Es handelt sich bei diesem Lied also um nichts geringeres als eine Beschwörungsformel des Weltuntergangs, die hier zu den Sündern in die Discotheken dieser Welt getragen wird!
Dank mir, der es vermag, hinter die Zeilen zu blicken, der das Böse zu entlarven vermag, wenn es sich auch in den harmlosesten Kinderliedern zu verstecken sucht, könnt ihr euch nun hoffentlich, wenn das Lied das nächste Mal in einer dieser sündigen Brutstätten Satans gespielt wird,  wenn zum Tanz mit dem Teufel aufgerufen wird, von diesem heidnischen, okkulten und im tiefsten Inneren bösen Ritual fern halten.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen, Ironie ist per definitionem das, was 99% der Menschen im Internet nicht erkennen, viele auch gerne fälschlich als Sarkasmus bezeichnen, deshalb nochmal kurz im Klartext: Obige Interpretation ist einfach nicht ernst gemeint. Nonsens wie das gesamte Lied, Nonsens wie man ihn im Internet nunmal so findet.
Ich wünsche einen schönen Abend und noch viele lustige Abende mit diesem Lied... ihr Sünder.


Donnerstag, 4. August 2011

Subway to Sally - Kleid aus Rosen

"The whole idea behind a blog is an ongoing narrative... a series of events that follows another series of events."
                                                           - Californication season1episode3

In diesem Sinne möchte ich meine Faulheit überwinden und hier weiter machen. Tatsächlich hatte ich vorm Metal Camp ein anderes Lied im Visier. Ich habe in Slowenien auch, wie im vorigen Blog-Eintrag erwähnt, Tagebuch geführt. Ob - und in welcher Form - dies veröffentlicht wird, überleg ich mir schon die längste Zeit, da es doch recht persönlich ist, aber momentan stehen die Sterne gut! Wenn es dazu kommt, dann aber in einem anderen Eintrag, jetzt gehts wieder zurück zum eigentlichen Inhalt des Blogs und der Interpretation von Liedern!


"Kleid aus Rosen" vom Album "Herzblut" aus dem Jahre 2001 ist geradezu gefundenes Fressen! Fest steht hier inhaltlich nichts, die Meinungen gehen teils enorm auseinander und obendrein ist es vollbeladen mit Stilfiguren! Das ist auch das Mindeste, ist Subway to Sallys Textschreiber Michael "Bodenski" Boden doch laut Wikipedia studierter Germanist! Was ich mit Sicherheit und aus eigener Erfahrung über dieses Lied sagen kann: Im dunklen Club treibt es die Stimmung und die Tanzwut der düsteren Gestalten zur Höchstform!









Lyrics:

 Meister, Meister gib mir Rosen, 
Rosen auf mein weißes Kleid, 
stech die Blumen in den bloßen 
unberührten Mädchenleib.

Ein gutes Mädchen lief einst fort, 
verließ der Kindheit schönen Ort; 
verließ die Eltern und sogar 
den Mann, dem sie versprochen war. 
Vor einem Haus da blieb sie steh'n, 
darinnen war ein Mann zu sehn 
der Bilder stach in nackte Haut, 
da rief das gute Mädchen laut: 

Meister, Meister gib mir Rosen, 
Rosen auf mein weißes Kleid, 
stech die Blumen in den bloßen 
unberührten Mädchenleib. 

„Diese Rosen kosten Blut“, 
so sprach der Meister sanft und gut, 
„Enden früh dein junges Leben, 
will dir lieber keine geben.“ 
Doch das Mädchen war vernarrt, 
hat auf Knien ausgeharrt 
bis er nicht mehr widerstand 
und die Nadeln nahm zur Hand. 

 Meister, Meister gib mir Rosen, 
Rosen auf mein weißes Kleid, 
stech die Blumen in den bloßen 
unberührten Mädchenleib! 

Und aus seinen tiefen Stichen 
wuchsen Blätter, wuchsen Blüten, 
wuchsen unbekannte Schmerzen 
in dem jungen Mädchenherzen. 
Später hat man sie geseh'n, 
einsam an den Wassern steh'n. 
Niemals hat man je erfahr'n, 
welchen Preis der Meister nahm. 

Meister, Meister gib mir Rosen, 
Rosen auf mein weißes Kleid, 
stech die Blumen in den bloßen 
unberührten Mädchenleib!

  Meister, Meister gib mir Rosen, 
Rosen auf mein weißes Kleid, 
stech die Blumen in den bloßen 
unberührten Mädchenleib! 

Rhetorik, Stil & Aufbau:
Schnell springt einem das Reimschema ins Auge: Während der vierzeilige Refrain einen Kreuzreim aufweist, bestehen die achtzeiligen Strophen aus Paarreimen. (Für die Mathematikgenies: 4 Paarreime!) Spannend und gut gelöst ist jedoch der letzte Paarreim: hier reimen sich die Konsonanten plötzlich nicht mehr völlig, ein unreiner Reim bricht die ganze regelmäßige Liedstruktur auf und zeigt das Ende an. Danach folgt nur noch eine doppelte Wiederholung des Refrains.
Was die Stilfiguren betrifft, so finden sich schon in der ersten Zeile des Refrains zwei: "Meister, Meister" ist eine Verdoppelung, oder professioneller ausgedrückt eine Geminatio. Die erste Zeile endet auf "Rosen", die zweite Zeile fängt mit "Rosen" an. Hierbei handelt es sich um eine Anadiplosis. "Stech die Blumen in den bloßen unberührten Mädchenleib" ist zweifellos eine Metapher, für was ist hier die Frage. Die Interpretationsansätze klaffen hier weit auseinander, deshalb will ich darauf näher eingehen, wenn ich mich dem Inhalt zuwende.
In der ersten Strophe befindet sich eine Anapher: es wiederholt sich am Zeilenanfang der zweiten und dritten Zeile "verließ". 
"Der Bilder stach in nackte Haut" ist wieder eine Metapher, über die sich streiten lässt. Selbiges gilt für die zweite Strophe: "Diese Rosen kosten Blut. Enden früh dein junges Leben, will dir lieber keine geben!". 
In der letzten Strophe erzeugt schon der erste Paarreim eine gewisse Unsicherheit, reimen sich doch hier die Vokale nicht! "Stichen - Blüten". 
"Wuchsen" ist hier gleich eine Geminatio, "wuchsen Blätter, wuchsen Blüten". "Blätter - Blüten" würde ich persönlich auch als Steigerung, also als Klimax betrachten. Das hängt jedoch davon ab, ob eine Klimax per Definition nicht mehr als zwei "Stufen" voraussetzt. (Die meisten Beispiele bestehen aus mindestens drei Steigerungen!) Mein schlaues Skript (und auch Wikipedia) sprechen von einer Steigerung vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck. Da die Blüte die Vollendung einer Blume ist, finde ich die Klimax hier gerechtfertig.
"Wuchsen" ist zur Freude aller jedoch auch eine Anapher. Wie auch schon in der ersten Strophe fangen in der letzten Strophe die zweite und dritte Zeile mit dem selben Wort an!
In dieser Strophe findet sich auch ein klassischer Pleonasmus: "junges Mädchenherz". Das Paradebeispiel für den Pleonasmus ist der "alte Greis" unser "junges Mädchenherz" ist genau dasselbe in grün, bzw. das genaue Gegenteil. Was aber soweit nichts an der Stilfigur ändert. Mädchen impliziert, dass es jung ist und daher ist es eine zusätzliche Wiederholung der eigentlichen Bedeutung.
"Wassern"...Das Mädchen steht an den "Wassern". Meines Erachtens eine Synekdochè. Ein weitläufigerer Begriff, der hier nicht ganz klar ist, ein Fluss, ein See, ein Meer, wird durch einen engeren Begriff aus dem selben Begriffsfeld ersetzt.  
Die letzten beiden Zeilen brechen mit dem Reimschema des Liedes, indem sie auf einen auffällig unreinen Reim enden und so schön das Ende des Liedes signalisieren. Ein Bruch im Reimschema ist nicht ungewöhnlich um das Ende eines ansich endlosen Reimschemas erkenntlich zu machen. Beispielsweise fällt mir hier "Über Vergänglichkeit" von Hugo von Hofmannsthal ein, wo das Ende des Gedichts durch eine einzelne Zeile angezeigt wird, welches die ansich endlos fortlaufenden Terzinen stoppt. So bricht auch der unreine Reim "erfah'n- nahm" deutlich mit dem bisher auf der letzten Silbe immer perfekt gereimten Lied.


Niemals hat man je erfahr'n,
welchen Preis der Meister nahm.


Inhalt: 
Jetzt wirds spannend. Im folgenden handelt es sich nicht nur um meine Meinung, sondern auch um die verschiedensten Interpretationsansätze die ich in Foren, Youtube-Comments und den verschiedensten Abarten des interaktiven Web2.0 so gefunden habe. Neben seiner perfekten, eingängigen, zum Tanzen und Mitsingen einladenden Melodie macht die Interpretationsschwierigkeit den großen Reiz an dem Lied aus. Nahezu jeder glaubt etwas anderes in dem Lied zu sehen.  
Zu Beginn sind sich die meisten Interpretationsansätze noch einig. Ein junges Mädchen läuft von zu Hause fort, möglicherweise weil sie nicht heiraten will! "Dem sie versprochen war" impliziert doch ziemlich eindeutig, das die geplante Hochzeit nicht ihre Idee war. 
Sie kommt zu einem Haus, indem ein Meister wohnt. Hier spalten sich die Interpretationsansätze stark auf: Viele scheinen die Verwendung des Wortes "Meister" sexuell aufzufassen, woraus sich in der restlichen Interpretation eine durch Dominanz und Unterwerfung bestimmte Beziehung ergibt, die der "Meister" zunächst ablehnt, doch das junge Mädchen besteht darauf, bittet, bettelt und fleht darum "hat auf Knien ausgeharrt" und schließlich geht sie an dieser Beziehung zu Grunde: "einsam an den Wassern stehn, niemals hat man je erfah'n, welchen Preis der Meister nahm" wird in den meisten Interpretationsansätzen als Hinweis auf ihren Tod betrachtet.
Ein weiterer Interpretationsansatz geht davon aus, dass der "Meister" jemand ist, den sie im Gegensatz zu ihrem Mann wirklich liebt. Diese Liebe wird jedoch nicht erwidert, der "Meister" sträubt sich zunächst, gibt ihrem Flehen jedoch nach und entjungfert sie schließlich. 

bis er nicht mehr widerstand
und die Nadeln nahm zur Hand. 
  
Ganz kecke Interpreteure (gibts dieses Wort? Auf jeden Fall sollte es dieses Wort geben!) sehen hier "Nadel" als Metapher für das äußere männliche Geschlechtsorgan. Was ich persönlich durch die Verwendung der Mehrzahl nicht ganz schlüssig finde. Das "weiße Kleid" wird in diesem Interpretationsversuch als Symbol für die Unschuld betrachtet, "diese Rosen kosten Blut" "stech die Blumen in den bloßen unberührten Mädchenleib" wird hier als Metapher für die Defloration betrachtet. Die "tiefen Stiche" sind hier bildlich für einen nicht ganz jugendfreien Vorgang, es "wuchsen Blätter, wuchsen Blüten" und "unbekannte Schmerzen" umschreiben die Schmerzen und das Blut, welches bei diesem Vorgang auftreten kann. Die "unbekannten Schmerzen" und "wachsenden Blüten" werden manchmal auch als Schwangerschaft und der folgenden Geburt betrachtet. Es endet wieder mit der Annahme ihres Todes, vermutlich weil die Liebe nicht erwidert wurde. Er verlässt sie, sie ist vor der Ehe entjungfert, dadurch gesellschaftlich gezeichnet und ausgestoßen. Man erfährt nicht, "welchen Preis der Meister nahm", vielleicht hat er das Kind behalten? Schließlich "steht sie einsam am Wasser"! Dieser Interpretationsansatz klärt jedoch nicht, warum diese Blumen, in diesem Fall der Geschlechtsverkehr, ihr Leben frühzeitig beenden sollten. 
Ein weiterer Interpretationsansatz, ein sehr beliebter wohlgemerkt, behauptet, es handle sich bei dem "Meister" um einen Tätowierer, beim "weißen Kleid" um ihre Haut und bei Nadeln und Rosen um den tatsächlichen Tätowiervorgang. Er tätowiert ihr Rosen.
Dieser Interpretationsansatz lässt sich weiter ausführen, angeblich (leider hab ich dazu keine verlässlichen Quellen gefunden!) war die Rose im Mittelalter ein Symbol für Prostitution! Prostituierte trugen angeblich Rosen-Tätowierungen um sich erkenntlich zu machen. Daher sollen auch diverse Rosen-Gassen und Straßen in diversen Städten kommen: Ein Hinweis, dass es sich bei der Gegend einst um das Rotlichtmilieu gehandelt hat. Ich weise nochmal darauf hin: Ich konnte keine glaubwürdige Quelle zu dieser Interpretation der Rose finden, wenn auch Rosen zweifellos auch heute noch ein Symbol für die Liebe sind. Der Tätowierer weigert sich jedenfalls zunächst dem Mädchen Rosen zu tätowieren, da er es nicht in die Prostitution schicken will, die das junge Leben frühzeitig beenden könnte. Schließlich gibt er ihr nach und als Bezahlung gibt sie sich ihm hin. Später ist sie "einsam", da sie als Prostituierte von der Gesellschaft ausgestoßen ist und begeht vermutlich Selbstmord.
In einem Forum interpretierte ein User das ganze Lied höchst satanisch: "Meister, Meister gib mir..."  betrachtet dieser User als "die Teufelsbeschwörungsformel schlechthin". Das junge Mädchen läuft fort, wird vom Teufel verführt (mit umgekehrter Psychologie), dieser tätowiert ihr eine Rose. Sie hatte unverheiratet Sex, sie ist gezeichnet, ausgestoßen und bringt sich um. "Blätter und Blüten"sind hier die "Sprosse Satans der in Sündern weiterlebt!". Auch ein Ansatz, wenn es auch nicht meiner wäre.
Ich habe jetzt einige Interpretationsversuche aufgezählt, die ich in den endlosen Weiten des Netzes so fand. Welcher ist nun der Richtige?
Eine Interpretation steht und fällt mit ihrer Argumentation, ich persönlich finden den Ansatz mit der unerwiderten Liebe am plausibelsten.
Drei Dinge müssen jedoch noch zusätzlich erwähnt werden: Erstens: Es gibt ein sogenanntes "Subway to Sally Storybook", das ich jedoch nicht besitze. Und ganz ehrlich, es interessiert mich auch nicht wirklich. In diesem Buch sind von diversen Künstlern Bilder und Zeichnungen zu den Songtexten, sowie einige Kommentare des Songwriters. Laut einem Youtube-Comment, ich hab das Buch wie gesagt nie gesehen, steht in diesem Buch als Anmerkung "es handle sich um das Zurücklassen der Kindheit", ein anderer Comment behauptete aber auch, in dem Buch stünde, dass die Rose im Mittelalter ein Symbol für Prostitution sei. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen!
Zweitens: es gibt ein weiteres sehr interessantes Subway to Sally Lied, welches den Titel "Die Rosen im Wasser" trägt. Textlich könnte man meinen, es handle sich hierbei um die Fortsetzung von "Kleid aus Rosen". Kurzum: es scheint in dieser vermeintlichen Fortsetzung um eine Tote die im Wasser treibt zu gehen, desweiteren werden Motive wie "die Schmerzen einer Jungfrau", "Liebe" und "Grausamkeit", "Trauer" und "Lust" mit eingebracht. Betrachtet man das Lied als Fortsetzung, so bestätigt es zumindest den Tod des Mädchens am "Wasser". Irritierend dabei ist jedoch, dass die vermeintliche Fortsetzung auf dem 1999 erschienen Album "Hochzeit" ist, während sich "Kleid aus Rosen" auf der zwei Jahre später erschienenen CD "Herzblut" befindet. So der textliche Zusammenhang ernst genommen wird, ist "Kleid aus Rosen" also ein später verfasstes Prequel zu "Die Rosen im Wasser".
Drittens: jetzt lehn ich mich bezüglich der Intertextualität weiter aus dem Fenster: Subway to Sally nimmt hier ein Motiv auf, das ich aus einem alten Kinderlied kenne... "Heidenröslein" von Goethe. Bis zum heutigen Tag und der eingehenden Beschäftigung mit Rosen etc. war mir nicht bewusst, dass dieses vermeintliche Kinderlied in Wahrheit übler Schweinskram ist. Denkt man ja nicht dran. Jedenfalls lassen sich gewisse Parallelen in der Rosen-Metapher erkennen. Man könnte sogar sagen "Kleid aus Rosen" ist das Gegenteil von Goethes "Heidenröslein". Diesmal will das Röslein gepflückt werden, auch wenn es danach dennoch leiden muss.  Ich denke dieser Vergleich ist völlig gerechtfertigt. Dieses von Schubert vertonte Goethe-Gedicht ist vermutlich dem Großteil der deutschen Bevölkerung als Volkslied bekannt, besonders aber einem Germanisten sollte das Schaffen Goethes bekannt sein, weshalb ich persönlich "Kleid aus Rosen" für das Subway to Sally Pendant von "Heidenröslein" halte!

Anstatt der geplanten zwei Stunden sitze ich hier seit knapp vier Stunden was ein weiterer Beleg für die Komplexität dieses Liedes ist. Ich denke, den meisten Subway-Fans ist nicht bewusst, wie unterschiedlich die Interpretationen ausfallen können, ich persönlich finde es immer wieder faszinierend, wieviel in solchen Liedern stecken kann!